Hast du das Gefühl, dass jemand dein iPhone überwacht? In diesem Beitrag erfährst du, wie du feststellen kannst, ob jemand deinen Standort, dein Kamerabild oder dein Mikrofon mitschneidet, wo die größten Gefahren für Hacks und ungewollte Überwachung liegen und natürlich auch: was du im Falle eines Falles dagegen unternehmen kannst.
Dies ist das begleitende Skript zu diesem Video.
Beginnen wir direkt mit Hinweisen darauf, dass etwas auf deinem iPhone nicht in Ordnung ist – und dass du darüber womöglich überwacht wirst. Auf die folgenden Auffälligkeiten solltest du achten:
1. Akku entleert sich schnell
Dein iPhone-Akku ist ungewöhnlich schnell leer oder dein iPhone wird heiß, obwohl du es gerade gar nicht besonders beanspruchst, also kein Spiel oder eine leistungsintensive Anwendung darauf laufen lässt. Für sich allein genommen, ist das zwar noch kein Beweis, dass dein iPhone überwacht wird, aber es könnte ein Indiz dafür sein, dass eine Überwachungs-App regelmäßig Informationen nach draußen funkt.
Um festzustellen, welche Apps für den Akkuverbrauch auf deinem Gerät verantwortlich sind, gehe in den Einstellungen auf Batterie, stelle am besten um auf „letzte 10 Tage“ und sieh nach, welche Apps am meisten Energie verbraucht haben – vielleicht befindet sich in der Liste eine verdächtige App, die du nicht kennst.


2. Ungewöhnlich hoher Datenverbrauch
Auch hier kann der Grund sein, dass eine App ohne dein Wissen deinen Standort übermittelt. Gut nachverfolgen kannst du das bei den Mobilfunkdaten – gehe auf Einstellungen, Mobilfunk und schau dir an, wie viel Datenvolumen die einzelnen Apps verbraucht haben.

Falls du es nicht schon regelmäßig machst, setze am besten auch einmal die Statistiken zurück, das machst du ganz unten auf der Seite. Dieses Zurücksetzen geschieht ausschließlich dann, wenn du es hier selbst auslöst, ansonsten zählt das iPhone – auch über Jahre hinweg – einfach stur weiter.

3. Kamera, Bildschirmaufnahme oder Mikrofon sind ohne dein Zutun aktiviert
Du kannst am oberen Bildschirmbereich auf deinem iPhone immer erkennen, ob eine dieser Funktionen gerade genutzt wird – der grüne Punkt bedeutet: Kamera ist an.

Der orangefarbene Punkt bedeutet: Das Mikro ist an:

Wenn links die Uhrzeit in einem roten Rahmen dargestellt wird, dann wird dein Bildschirm gerade abgefilmt.

Ob eine App bereits Screenshots oder Videos von deinem iPhone aufgenommen hat, um sie unbemerkt zu versenden, kannst du erkennen, indem du die Fotos-App öffnest und darin auf Alben tippst. Filtere hier einfach nach Bildschirmfotos und nach Bildschirmaufnahmen und schau nach, ob hier Aufnahmen sind, die du nicht selbst erstellt hast.

4. Unbekannte Apps auf deinem iPhone
Generell sollte jede App, die du weder selbst auf deinem iPhone installiert hast noch bereits vorinstalliert war, ein großes Alarmsignal für dich sein – das gilt auch, wenn die eben genannten Phänomene auf deinem iPhone nicht auftreten. Du kannst über Einstellungen –> Allgemein –> iPhone-Speicher nachsehen, welche Apps auf deinem Gerät installiert sind. Zu den möglichen Maßnahmen im Falle, dass du unbekannte Apps findest, gleich mehr.

KEINE Anzeichen für Überwachung
Kein Anzeichen dafür, dass dein iPhone gehackt wurde oder überwacht wird, sind ungewöhnliche Popups, die aufploppen, wenn du im Internet surfst – ganz besonders solche Warnungen, die behaupten, dass dein iPhone bereits gehackt worden sei, zielen i.d.R. auf eine Panikreaktion deinerseits ab – die Hoffnung der Betrüger ist, dass du nun unbedacht auf von ihnen bereitgestellte Weblinks tippst, die dann erst einen Angriff auf deine Daten ermöglichen.

Welche Gefahrenquellen gibt es?
So viel zu den häufigsten Erkennungsmerkmalen, mit denen du einer Überwachung deines iPhones auf die Schliche kommen kannst. Kommen wir zur Frage: Wo lauern die größten Gefahrenquellen? Die letzte davon wird allgemein meist unterschätzt, ist aber vielleicht sogar die häufigste.
1. Offene WLAN Hotspots
Es muss zwar nicht zwangsläufig etwas passieren, wenn du ungeschützt in einem offenen WLAN surfst, aber die Gefahr ist in Cafés, am Flughafen oder im Zug einfach sehr groß, dass jemand zumindest deine Internetkommunikation mitschneiden kann. Diese Gefahr kannst du sehr leicht eliminieren, indem du dich mit einem VPN-Server verbindest, bevor du das Internet über ein solches Netzwerk nutzt.
2. Apps von außerhalb des App Stores
Eine weitere Gefahrenquelle für dein iPhone könnten theoretisch heruntergeladene Apps sein – solange du dein iPhone nicht jailbreakst, ist das jedoch praktisch ausgeschlossen, da die Apps im App Store penibel auf mögliche Sicherheitsprobleme geprüft werden. Bei gejailbreakten iPhones sieht es anders aus. Denn dabei wird das Betriebssystem so verändert, dass Nutzungsbeschränkungen aufgehoben werden und man als Entwickler erweiterte Zugriffsrechte auf das Dateisystem bekommt. Dadurch ist es auch möglich, Apps von außerhalb des App Stores zu laden.
In den frühen Jahren des iPhones war das Jailbreaking recht beliebt, weil dadurch Funktionen hinzugefügt werden konnten, die es auf dem regulären iOS damals noch nicht gab. Unbedarfte Nutzer öffneten damit jedoch auch das Tor für Schadsoftware, die dadurch auf das iPhone gelangen konnte. Inzwischen ist Jailbreaking total überflüssig und bringt definitiv mehr Gefahrenpotenzial als Nutzen – also Finger weg davon.
3. Phising-Versuche
Häufig anzutreffende Gefahrenquellen sind E-Mails oder SMS, in denen Betrüger sich als Unternehmen ausgeben (besonders beliebt sind hier Banken und Paketlieferdienste) und dich dazu bringen möchten, auf einen Link in der Nachricht zu klicken.

Das Gute daran: Trotz aller Fortschritte bei KI und maschinellen Übersetzungen sind die meisten dieser Versuche recht leicht als Betrug zu durchschauen. Bei E-Mails solltest du immer erstmal auf den Namen des Absenders tippen, um die E-Mail-Adresse dahinter zu sehen. Diese entlarvt die Betrüger schon in den meisten Fällen:

Weitere häufig zu sehende Fehler sind: Die Links, auf die du klicken sollst, führen zu Adressen, die nichts mit dem angeblichen Unternehmen zu tun haben, es gibt keine oder sehr falsch wirkende E-Mail-Signaturen am Ende der Mail oder auffällig viele Rechtschreib- oder Grammatikfehler im Text.

Und natürlich sollte dich alleine schon das Anliegen der Nachricht misstrauisch machen: Legitime Unternehmen verlangen nie von dir, auf einen bestimmten Link zu klicken, um dein Konto zu schützen – weder in E-Mails, SMS oder anderswo. Auch der Apple-Kundendienst wird sich sicher nicht bei dir melden und dich darum bitten, auf einen bestimmten Link zu tippen, wie in dieser Betrugsnachricht:

4. Überwachung durch vertraute Personen
Kommen wir zu einer Gefahrenquelle, die vermutlich häufiger der Grund für eine heimliche Überwachung deines iPhones ist, als viele annehmen. Denn oft sind es dir vertraute Personen, die auf deinem iPhone – entweder weil du ihnen Zugang zu deinem Gerät erlaubst oder weil sie einen unbeobachteten Moment ausnutzen – eine Überwachungs-App aufspielen.
Ich denke da vor allem an den eifersüchtigen Ehemann, die eifersüchtige Freundin, die mittels einer Tracking-App herausfinden will, wo du dich aufhältst. Diese Apps werden völlig legal im App-Store als Ortungs-Apps für Kinder angeboten – aber natürlich kann niemand überprüfen, ob das dadurch überwachte iPhone tatsächlich einem Kind gehört oder ob ein Erwachsener damit ausspioniert werden soll.

Was kannst du tun, wenn dein iPhone überwacht wird?
Nachdem du die Symptome und die Gefahrenquellen kennst, ist jetzt noch die Frage offen: Was kannst du tun, wenn du eine nicht gewünschte Überwachungsform auf deinem iPhone bemerkst? In dem Fall, dass eine dir bekannte Person eine Überwachungs-App installiert hat und du das herausgefunden hast, sollte einfaches Löschen der App genügen. Die größere Herausforderung ist hier wohl das anschließende Gespräch mit der betreffenden Person.
Es muss jedoch nicht einmal eine App eines Drittanbieters installiert worden sein, um dich zu überwachen, denn mit der Standort teilen-Funktion und der „Wo ist“ App, bietet das iPhone selbst genügend Mittel, um die Bewegungen anderer zu überwachen.

Um zu überprüfen, ob vielleicht auf diese Weise dein Standort an andere verraten wird, kannst du einfach die iPhone Sicherheitsprüfung durchführen, um zu sehen, welche Personen und Apps welchen Zugriff auf deinen iPhone Standort haben – dort findest du nämlich alles gebündelt und musst dich nicht durch die einzelnen Datenschutz-Einstellungen jeder App hangeln.
Gehe in den Einstellungen auf Datenschutz & Sicherheit und scrolle runter zu Sicherheitsprüfung.

Dort siehst du zuerst den Notfall-Reset ist, wie der Name sagt, für den Notfall gedacht, vor allem wenn eine Situation mit deinem Partner oder deiner Partnerin eskaliert und du ihm oder ihr unmittelbar Zugriff entziehen willst. Das ist das Not-Aus, damit werden die Zugriffe von allen Apps und Personen zurückgezogen.
Möchtest du genau auswählen, welche Rechte du wem zugestehst, dann tippst du auf „Teilen & Zugriff verwalten“ und die Sicherheitsprüfung geht mit dir in 3 Schritten durch die Zugriffseinstellungen.
Im 1. Schritt siehst du, mit welchen Personen du Daten teilst und um welche Art von Information es sich handelt. Bei mir z.B. den Standort, den ich mit meiner Frau teile oder auch unsere geteilten Notizen und einen geteilten Kalender zur besseren Planung der Kinderbetreuung. Wenn du einen Eintrag auswählst, dann „Teilen überprüfen“ antippst, kannst du auf diesem Bildschirm durch erneutes Antippen und den Button „Nicht mehr Teilen“ den entsprechenden Standortzugriff aufheben.

Im 2. Schritt der Sicherheitsprüfung siehst du dann alle installierten Apps und deren Zugriffsberechtigung im ersten Reiter.

Wechselst du zum Reiter Informationen, kannst du dir nach Funktion sortiert anzeigen lassen, welche App auf was zugreifen darf, also Standort, Bluetooth, Mikrofon, Kamera usw.

Willst du bei einer App die Zugriffsrechte widerrufen, z.B. bei WhatsApp den Zugriff auf den Standort, aber sonst nichts, dann tippst du auf das i und kannst hier ganz genau wählen, welche Zugriffe beendet werden sollen.


Im 3.Schritt der Sicherheitsüberprüfung geht es um deine Benutzerkontensicherheit, dort solltest du sicherstellen, dass alle aufgeführten Geräte in deinem Apple ID-Konto auch unter deiner Kontrolle sind, damit dir nicht über diesen Weg Apps oder andere Formen der Überwachung untergejubelt werden können.

Was tun bei Überwachung durch Unbekannte?
Jetzt kennst du die Maßnahmen, die du ergreifen kannst, wenn eine dir bekannte Person eine Überwachung auf deinem iPhone verursacht hat – ausgehend davon, dass diese Person nur normale Anwenderkenntnisse hat und kein Profi-Hacker ist.
Falls du jedoch nicht weißt, wie die Überwachungssoftware auf dein iPhone gelangt ist, empfiehlt es sich, besser auf Nummer sicher zu gehen, dein iPhone auf Werkseinstellungen zurückzusetzen und alle Gerätedaten zu löschen. Den Prozess startest du über Einstellungen, Allgemein und dann iPhone übertragen/zurücksetzen und wählst hier „Alle Inhalte & Einstellungen löschen“.

Du kannst stattdessen auch ein iCloud Backup einspielen – mach dies aber bitte nur, wenn du dir absolut sicher bist, dass das Backup frei von der betreffenden Überwachungssoftware ist.
Falls dein iPhone überwacht wird, du es für kurze Zeit aber noch unbedingt nutzen musst, kannst du den Blockierungsmodus aktivieren: Das ist eine extreme Schutzmaßnahme, die vor ausgefeilten Cyberangriffen schützen soll.
Ist der Blockierungsmodus aktiviert, werden Apps, Websites und Funktionen stark eingeschränkt – daher würde ich sie höchstens für kurze Zeit verwenden und danach das iPhone komplett neu bespielen. Den Blockierungsmodus findest du auf in den Einstellungen bei Datenschutz &Sicherheit ganz unten auf der Seite.

Fazit: Du kannst viel gegen Überwachung tun
Du siehst: Apple gibt dir zahlreiche Funktionen an die Hand, um herauszufinden, ob dein iPhone überwacht wird und um die Spione wieder rauszuwerfen. In den meisten Fällen sollten Angriffe von außen jedoch die absolute Ausnahme sein – zumindest, solange du nicht auf verdächtige Links in E-Mails oder SMS klickst – und im öffentlichen WLAN immer einen VPN-Server verwendest.
Vergewissere dich neben den Schutzmaßnahmen nach außen aber auch, dass du nicht von dir nahestehenden Personen getrackt wirst, von denen du es vielleicht am allerwenigsten erwartest.
Und jetzt möchte ich von dir wissen: Ist es dir schon einmal passiert, dass dein iPhone überwacht wurde und wenn ja: war das durch einen Fremden oder kanntest du die betreffende Person? Schreib es mir in die Kommentare.
Erfahre als nächstes, welche Einstellungen du in deinem iOS 17 iPhone unbedingt ausschalten solltest, um deine persönlichen Daten nicht unnötigen Gefahren auszusetzen.



