Es ist kaum zu glauben: Apple, einer der mächtigsten Konzerne der Welt, hat sich bisher in seinem Betriebssystem iOS eine große Sicherheitslücke geleistet, die es Taschendieben ermöglichte, allein mit Kenntnis deines iPhone-Entsperrcodes deine Apple-ID zu ändern, dich damit effektiv aus deinem eigenen Apple-Konto auszusperren und im schlimmsten Fall Geld von deinem Konto abzuheben – die neue Funktion Schutz für gestohlene Geräte soll dies verhindern.
Mit iOS 17.3, das seit zwei Wochen in einer ersten Beta-Version verfügbar ist, kannst du die die neue Funktion nutzen – und das geht sehr einfach. Was du tun musst und wie es genau funktioniert, erfährst du in diesem Beitrag.
Dies ist das begleitende Skript zu diesem Video:

Worin besteht die aktuelle Schwachstelle?
Im April diesen Jahres hatte ich in diesem Beitrag ausführlich erläutert, worin die Sicherheitslücke besteht, aber um es nochmal auf den Punkt zu bringen: Die Schwachstelle besteht darin, dass das iPhone beim Ändern der Apple-ID bisher nur nach dem Entsperrcode fragt:



Und das wiederum bedeutet, dass ein Dieb nicht einmal das aktuell gültige Apple-ID-Passwort des Bestohlenen kennen muss, um verheerenden Schaden anzurichten.
Vor allem in den USA haben sich viele Betrüger diesen Umstand zunutze gemacht: Ein Dieb spioniert zunächst den Entsperrcode des Opfers aus, entweder aus der Ferne oder aber durch direkte Interaktion, indem er nach einer bestimmten Information fragt, für die das Opfer das iPhone entsperren muss. Dabei ist die Hoffnung, dass die Person dann einsehbar den Code eintippt und nicht Face ID oder Touch ID verwendet.
Wurde der Code ausspioniert, klaut ein Komplize in einem unbeobachteten Moment das iPhone des Opfers. Selbst in den Fällen, in denen die Bestohlenen den Diebstahl schnell bemerkten, war es oft zu spät, das iPhone als verloren zu markieren – sie konnten sich nämlich gar nicht mehr in ihr Apple-Konto einloggen, denn das Apple-ID-Passwort war bereits geändert.
Die Diebe hatten nun alle Zeit der Welt, um nach relevanten Passwörtern und anderen Informationen auf dem iPhone zu suchen. Und für all das brauchten sie nur den Entsperrcode. Ein wahres Horrorszenario.
Öffentlich gemacht hat diese Schwachstelle das Wall Street Journal, das nach eigenen Angaben über ein Jahr dazu recherchierte.

Wie bekommst du den Schutz für gestohlene Geräte?
Von Apple gab es lange Zeit keine Stellungnahme zu diesem Thema – aber jetzt, scheinbar aus dem Nichts, eine neue Funktion. Und diese heißt “Schutz für gestohlene Geräte”. Um sie nutzen zu können, muss iOS 17.3 auf dem iPhone installiert sein. Zum Zeitpunkt dieses Beitrags gibt es das nur als Beta-Version, aber es wird voraussichtlich im Januar 2024 allgemein verfügbar sein.

Sobald ich es installiert hatte, wurde ich gefragt, ob ich den neuen Schutz aktivieren möchte, standardmäßig bleibt er nämlich zunächst ausgeschaltet. Falls man in der Abfrage am Anfang verpasst hat, den Schutz zu aktivieren, findet man ihn später in den iPhone-Einstellungen unter Face ID & Code. Zum Aktivieren musst du lediglich auf „Schutz aktivieren“ tippen, mehr ist dazu nicht notwendig.


Was ändert sich nun, wenn der Schutz aktiviert ist? Man könnte denken, dass das iPhone nun einfach nach dem alten Apple-ID-Passwort fragt, wenn man ein neues festlegen möchte. Aber weit gefehlt: Apple geht das Ganze viel raffinierter und umfassender an und man merkt dabei erst, wie viele Funktionen von der bisherigen Lücke betroffen waren.
Aktionen, die geschützt werden
Apple setzt bei seinem neuen Schutz für gestohlene Geräte vor allem auf Face ID bzw. Touch ID. Bestimmte Aktionen kannst du nur noch nach erfolgreicher Identifizierung über einen dieser Wege nutzen. Ein Ausweichen auf den Entsperrcode ist dann nicht mehr möglich.
Dies betrifft folgende Aktionen:
- Aufrufen von Passwörtern, die in der iCloud Keychain gespeichert sind
- Zurücksetzen des iPhones
- Deaktivieren des Modus “Verloren”
- Verwenden des iPhones zum Einrichten eines neuen Geräts
- Verwenden von Zahlungsmethoden, die in Safari gespeichert sind.
Aktionen mit automatischer Zeitverzögerung
Aufmerksame Leser fragen sich nun vielleicht:
Was ist nun mit dem Ändern des Apple-ID-Passworts? Wird das nicht geschützt?
Doch, das wird es, es fällt sogar unter eine noch strengere Sicherheitsstufe: Wenn der Schutz für gestohlene Geräte aktiviert ist, muss man zunächst eine Face bzw. Touch ID-Identifikation bestehen, dann eine Stunde warten (man bekommt eine Mitteilung, wenn die Zeit abgelaufen ist) und dann erneut eine Identifikation durchführen. Erst danach kann das Apple-ID-Passwort geändert werden.
In der Praxis sieht das so aus: Ich tippe auf Apple-ID Passwort ändern und es erscheint ein Hinweistext über die Sicherheitsverzögerung (die einstündige Wartezeit) und diese muss man selbst mit Tippen auf den Knopf auslösen. Sie zählt also NICHT automatisch runter, wenn dieser Bildschirm erscheint.


Nach dem Drücken des Knopfes beginnt der Countdown. Dein iPhone kannst du in der Zeit weiter nutzen, die Zeitsperre gilt nur für bestimmte Aktionen.

Dazu gehören neben dem Ändern des Apple-ID-Passworts:
- Das Erstellen eines Wiederherstellungsschlüssels
- Das Ändern der vertrauenswürdigen Nummer oder des vertrauenswürdigen Kontakts
- das Neueinrichten oder Entfernen von Face ID oder Touch ID
- Das Deaktivieren des Schutzes für gestohlene Geräte selbst.


Wann gilt der neue Schutz nicht?
Die Sicherheitsverzögerung von einer Stunde gilt nicht, wenn sich dein iPhone gerade an einem vertrauten Ort befindet, also zum Beispiel zu Hause oder am Arbeitsplatz. Damit dein Gerät dies erkennen kann, muss allerdings die Funktion Wichtige Orte aktiv sein.
Diese findest du in den iPhone-Einstellungen unter Datenschutz & Sicherheit, Ortungsdienste, Systemdienste und dann recht weit unten auf der Seite.



Wenn Wichtige Orte erst kürzlich aktiviert wurde, muss dein iPhone erst einige Tage Bewegungsdaten sammeln, um zu wissen, welche Orte deine “vertrauten Orte” sind.

Bei meinen Tests habe ich außerdem festgestellt, dass an den vertrauten Orten nicht nur die einstündige Sperre wegfällt, sondern auch der Zwang, Face bzw. Touch ID zu nutzen. Zuhause konnte ich den Schutz für gestohlene Geräte also dann doch wieder mit meinem Entsperrcode deaktivieren. Dann ist es praktisch so, als gäbe es den zusätzlichen Schutz nicht.
Wenn du das nicht möchtest, weil dich die Sicherheitsverzögerung nicht stört und du den Schutz lieber überall haben möchtest, bleibt dir moementan nur, die Funktion Wichtige Orte zu deaktivieren.

Hinweis: Da es sich um die erste Beta-Version mit dieser neuen Funktion handelt, es kann noch zu Änderungen kommen, z.B. in Bezug auf die Zeitsperre an vertrauten Orten.
Was hältst du von Apples neuem Schutz für gestohlene Geräte, um deine Daten und vielleicht sogar dein Gespartes zu schützen und den Diebstahl von iPhones damit wesentlich unattraktiver zu machen? Wirst du die neue Funktion nutzen? Oder möchtest du sie auf keinen Fall nutzen, weil du vielleicht Face ID nicht traust oder aus einem ganz anderen Grund? Schreib es mir in die Kommentare, ich will es wissen.
In der momentan noch aktuellen iOS Version 17.2 gibt es mit Journal eine neue App, mit der du ein Tagebuch führen kannst. In einem anderen kürzlich erschienenen Beitrag erfährst du, welche die 10 besten Funktionen von Apple Notizen unter iOS 17 sind.




2 Kommentare
Was ist jetzt der bessere Schutz?
1) Schutz für gestohlene Geräte aktivieren oder
2) Das Passwort in „Einstellungen für Bildschirmzeit sperren“
Hallo Rudolf,
Ganz eindeutig der Schutz für gestohlene Geräte. Das andere war ein (nicht sonderlich guter) Workaround in der Zeit davor.