Heute lösen wir ein großes Mysterium – nämlich die Frage, was die jeweiligen iPhone Systemdienste bedeuten. Apple war bei der Benennung phantasievoll – denn viele der Funktionen hier stehen nicht für das, was man möglicherweise auf den ersten Blick erwartet.
In diesem Beitrag erfährst du, wofür die einzelnen Regler stehen, welche du angeschaltet lassen solltest und welche du problemlos abschalten kannst, damit dein iPhone-Akku länger durchhält.
Beachte dabei, dass ich in diesem Beitrag meine persönlichen Einstellungen zeige, die auf meinem Nutzungsverhalten basieren. Je nachdem, wie du dein iPhone nutzt, können andere Einstellungen für dich sinnvoll sein. Wenn du Einstellungen vornimmst und sich später deine Nutzung änderst, erinnere dich daran, dass du hier ggf. Dienste deaktiviert hast, die dafür notwendig sind.
Dies ist das begleitende Skript zu diesem Video:

Die iPhone Systemdienste findest du, indem du in den Einstellungen auf Datenschutz & Sicherheit, dann Ortungsdienste und dann ganz unten auf Systemdienste tippst.




Dieser Weg durch das Menü zeigt uns erstens, es geht hier um den Zugriff auf die Ortungsdienste durch Systemfunktionen deines iPhones, also wann und zu welchem Zweck das Gerät deinen Standort ermittelt und diese Daten nach Hause funkt.
Und zweitens signalisiert diese Verästelung im Untermenü eines Untermenüs eines Untermenüs, dass Apple vielleicht nicht unbedingt möchte, dass wir uns hiermit intensiver beschäftigen.
Für diesen Beitrag habe ich einmal alle iPhone Systemdienste eingeschaltet. Gehen wir sie Schritt für Schritt durch und erörtern, was dahinter steckt und wie relevant sie sind.
iPhone Systemdienste: Apple Pay Händler-ID

Auf den ersten Blick könnte man meinen, diese Einstellung könnte etwas mit der Bezahlung via Apple Pay zu tun haben. Betrachtet man es genauer, zeigt sich aber: Hier geht es ausschließlich um eine Funktion für die physische Apple Card. Und die – machen wir es kurz – gibt es in Deutschland noch nicht. Also, einfacher Fall, diesen Regler kannst du ausschalten.

Bewegungskalibrierung / Entfernung

Du hast eine Apple Watch und benutzt sie, um deine Fitnessaktivitäten zu messen? In dem Fall kannst du diese Funktion dazu nutzen, deine Apple Watch für deine Trainingseinheiten und Aktivitäten zu kalibrieren. Laut Apple ist die Funktion dann besonders sinnvoll, wenn GPS nur eingeschränkt zur Verfügung steht.
Bedeutet aber auch im Umkehrschluss: Wenn du keine Apple Watch hast oder eher ein Sportmuffel bist oder dein GPS-Abdeckung gut ist, dann brauchst du diesen Systemdienst auch nicht und kannst ihn ausschalten.

Geräteverwaltung

Dein iPhone wurde dir von deinem Arbeitgeber zur Verfügung gestellt? Dann sollte die Geräteverwaltung angeschaltet bleiben, denn sie ermöglicht es den Administratoren deiner Organisation, Apps auf deinem iPhone zu konfigurieren, E-Mail-Konten einzurichten oder bestimmte Zugriffe zu sperren, z.B. E-Mail-Anhänge aus dem Firmenkonto mit privat installierten Apps zu öffnen.
Wenn das iPhone dagegen dir gehört, dann musst du auch die Geräteverwaltung nicht aktivieren.

Hinweise & Automationen für „Kurzbefehle“

Hier kommt es darauf an, ob du aktuell Kurzbefehle nutzt, die basierend auf deinem Standort ausgelöst werden. In meinem Beitrag zu den neuen iOS 17-Kurzbefehlen zeige ich dir ein Beispiel dafür, nämlich wie du automatisch den Bildschirmhintergrund ändern lässt, wenn du an deinem Arbeitsplatz ankommst.
Falls du keine solchen Automationen aktiviert hast, kannst du diesen Regler hier auf Aus stellen und deinen iPhone-Akku damit ein wenig entlasten.

HomeKit

Nutzt du Apple HomeKit Produkte, die standortbasierte Automationen nutzen? Zum Beispiel Lampen, die automatisch angehen, sobald du dich deinem Zuhause näherst? Dann sollte der Systemdienst HomeKit aktiviert sein.
Wenn nicht: Schalte diesen Systemdienst aus und hilf deinem Akku dabei, Energie zu sparen.
Kompasskalibrierung

Der nächste Systemdienst nennt sich Kompasskalibrierung und in einem früheren Beitrag hatte ich geschrieben, dass du ihn ausschalten kannst – woraufhin ich einige Kommentare bekam, dass man dann in Karten-Apps nicht mehr die Richtung angezeigt bekommt, in die man schaut, läuft oder fährt. Und das stimmt auch – für Google Maps.
Interessanterweise kommt ausgerechnet Apple Karten aber auch ohne diese Funktion aus, zeigt dir also weiterhin deine Bewegungsrichtung und das auch zuverlässig.

Fazit: Als reiner Apple Karten-Nutzer könntest du diesen Systemdienst ausschalten. Google Maps-Benutzer, die sich sonst verlaufen würden, sollten ihn aber anlassen.
Noch ein Speziallfall, den ich erst bei der Aufnahme des Videos zu diesem Thema entdeckte: Auch wenn du ein externes Zeigegerät, wie eine Bluetooth-Maus, mit deinem iPhone verwendest, sollte die Kalibrierung eingeschaltet bleiben, damit der Zeiger nicht die Richtungen verwechselt.
Mein iPhone suchen

“iPhone suchen” heißt der nächste Systemdienst und ohne ihn kann die „Wo Ist“-App dein iPhone nicht mehr orten. Das will nun wirklich niemand, also die klare Empfehlung hier, diesen Regler eingeschaltet zu lassen.
Mobilfunknetzsuche

Mobilfunknetzsuche ist einer der Dienste, bei dem mir auch nach viel Recherche unklar ist, wozu er genau dient. Manche sagen, dieser Dienst unterstütze die Suche nach einem Mobilfunknetz durch Hinzuziehen der Standortinformationen.
Allerdings: Auf Apples Hilfe-Seite zu dem Thema: Was tun, wenn kein Netz oder “Suchen” angezeigt wird, wird dieser Systemdienst mit keinem Wort erwähnt. Würde ihn Apple nicht hier aufführen, wenn du damit die Suche nach einem Mobilfunknetz beschleunigen oder generell verbessern könntest?
Dieser Dienst bleibt für mich mysteriös. Ich habe ihn schon lange ausgeschaltet und bisher keine Nachteile dadurch bemerkt.
Netzwerk & Drahtlos

Dieser Systemdienst sorgt laut Apple zum einen dafür, dass dein iPhone andere Geräte zuverlässig orten kann und eine Drahtlos-Verbindung zu ihnen herstellt. Außerdem soll dabei die Leistung für Funktionen, die WLAN verwenden, verbessert werden – Apple führt hier als Beispiele AirPlay oder AirDrop auf.
Wenn du versuchst, diesen Dienst zu deaktivieren, erhältst du sogar noch einmal eine spezielle Warnung, dass dadurch die Netzwerk- und Drahtlose Kommunikation beeinträchtigt werden könnte – auch wenn es wiederum Stimmen gibt, die behaupten, dass gerade das Abschalten dieses Dienstes Probleme mit WLAN-Verbindungen beheben könnte – ich habe diesen Dienst bisher angeschaltet gelassen und werde auch dabei bleiben.
Notruf & SOS

Zwar funktioniert der Notruf auch ohne den Dienst Notruf & SOS weiter, aber wenn er aktiviert ist, stellt dein iPhone zusätzlich zu den Standortdaten, die ohnehin an die Notrufdienste übertragen werden, weitere ortsbezogene Daten zur Verfügung. Und – wer will bei einem Notfall nicht alle verfügbaren Standortdaten senden, damit einem schneller geholfen werden kann?
Satellitenverbindung

iPhone 14 und 15-Nutzer können in Notlagen Nachrichten senden, selbst wenn sie komplett offline sind – und zwar über Satellit. Auch hier gilt: Die Satellitenverbindung wirst du nur in Notsituationen nutzen und dann wünschst du dir, dass man dich so schnell wie möglich findet. Also anlassen.


Standort teilen

Standort teilen gibt es einmal als eigenen Punkt unter den Ortungsdiensten, aber auch in den Systemdiensten gibt es die Einstellung mit gleichem Namen.

Interessanterweise scheint es so zu sein, dass nur der eigene Eintrag unter Ortungsdienste eingeschaltet sein muss, damit du in den Apps „Wo ist“ und Nachrichten deinen Standort mit anderen teilen kannst.
Der Systemdienst gleichen Namens braucht dazu nicht aktiviert zu sein. Wofür er dann gut ist, bleibt wohl weiterhin Apples Geheimnis.

Systemanpassung

Mit Systemanpassungen kann dein iPhone das Erscheinungsbild, das Verhalten und die Einstellungen des Geräts anhand deines aktuellen Standorts anpassen. Ein prominentes Beispiel: das optimierte Laden. Es funktioniert nur dann zuverlässig, wenn dieser Dienst sowie die wichtigen Orte, zu denen wir gleich noch kommen, aktiviert sind.
Vorschläge & Suche

Dieser Dienst ist dazu gedacht, dass Apple deine Standortinformation nutzt, um dir “relevantere Empfehlungen” anbieten zu können, z.B: in der Suche.
Witzig dabei ist: Im nächsten Satz der offiziellen Funktions-Beschreibung wird klar, dass Apple deinen ungefähren Standort andernfalls einfach über deine IP-Adresse ermittelt, und dir dann eben über diesen Weg relevante Empfehlungen gibt. Wenn sich der Dienst so leicht ersetzen lässt, stellt sich die Frage, warum wir ihn angeschaltet lassen sollten.

WLAN-Anrufe

Man könnte denken, dass ohne diesen Dienst WLAN-Anrufe gar nicht mehr funktionieren. Tatsächlich wirkt er sich aber nur auf eine sehr spezifische Funktion bei WLAN-Anrufen aus, nämlich wenn du Kurznummernanrufe tätigst.
Darunter fallen z.B. die Notrufnummern 110 oder 112. Das iPhone wird immer versuchen, diese Anrufe über den Mobilfunk abzuwickeln und nicht über WLAN. Steht allerdings nur WLAN zur Verfügung, dann kann es bei diesen Anrufen passieren, dass dein Standort gar nicht oder falsch übermittelt wird – im Falle eines Notrufs eher unangenehm.
Der Dienst WLAN-Anrufe sendet bei Anrufen dieser Art die Stadt mit, aus der du anrufst. Ob das nun dafür sorgt, dass ein Rettungswagen schneller zu dir findet, vermag ich nicht zu sagen. Für mich ist die wichtigste Erkenntnis aus der Recherche zu diesem Dienst: Rufe Notfallnummern immer über den Mobilfunk oder Festnetz an und nicht per WLAN-Verbindung, weil sonst Informationen über deinen Standort auf der Strecke bleiben könnten.
Um im Fall der Fälle aber kein Risiko einzugehen, lasse ich WLAN-Anrufe eingeschaltet.

Zeitzone einstellen

Der Dienst Zeitzone einstellen beschleunigt die Erkennung der Zeitzone, in der du dich bewegst, nach meinen Erfahrungen muss er aber nicht unbedingt angeschaltet sein, damit dein iPhone merkt, dass es sich in einer neuen Zeitzone befindet – es dauert dann nur möglicherweise etwas länger.
Wenn du mal in eine andere Zeitzone reist, kannst du bei der Ankunft auch einmal kurz diesen Dienst aktivieren und dann sofort wieder ausschalten. Denn zu 99,99% der Zeit benötigt dein iPhone ihn nicht.

Wichtige Orte

Über wichtige Orte habe ich in früheren Beiträgen schon häufig berichtet. Diese benötigte man bisher, damit das optimierte Laden der Batterie zuverlässig funktioniert – denn nur wenn das iPhone erkennt, dass du zuhause bist und es auf Basis deiner Routinen absehbar für längere Zeit nicht genutzt wird, aktiviert es das optimierte Laden.


Nun ist mit iOS 17.3 noch eine weitere Funktion hinzugekommen, der Schutz für gestohlene Geräte.

Ist er aktiviert, lassen sich einige besonders sicherheitsrelevante Funktionen nur noch per Face ID und nach einer einstündigen Sperrzeit bedienen.

In diesem Beitrag erfährst du mehr zu der neuen Schutzfunktion. Umgangen wird die Sperrfrist, wenn du dich an einem vertrauten Ort befindest. Und um deine vertrauten Orte zu kennen, muss die Funktion wichtige Orte für längere Zeit aktiviert sein und genug Bewegungsdaten von dir gesammelt haben.
Du musst hier also abwägen, ob du Apple genug vertraust, dass du deine Bewegungsdaten vom iPhone mitschneiden lässt und damit im Gegenzug etwas mehr Komfort beim Batterieladen und mit dieser neuen Schutzfunktion bekommst – oder ob du das nicht möchtest.
Produktverbesserungen

Unter den Wichtigen Orten befinden sich noch drei Regler für die Produktverbesserung. Wenn du gerne noch mehr Daten an Apple spenden möchtest, als das Unternehmen ohnehin von dir bekommt, kannst du das anlassen, aber natürlich zwackt auch das wieder etwas Energie vom Akku ab, weswegen ich die drei Regler ganz entspannt ausschalte.

Statusleistenobjekt

Angeschaltet habe ich hingegen den letzten Regler auf dieser Seite – Statusleistenobjekt.

Ähnlich wie die Kompassnadel neben der Uhrzeit, die häufiger auftaucht und dir signalisiert, dass eine App deinen Standort gerade abruft, bzw. abgerufen hat, erscheint mit dem Statusleistenobjekt die Nadel auch dann, wenn einer der Systemdienste, die wir uns gerade angesehen haben, deine Standortdaten an Apple übermittelt.

Über das Kontrollzentrum und einmal ganz oben tippen kannst du erfahren, ob es gerade eine App oder ein Systemdienst ist, der auf deinen Standort zugreift.


Jetzt kennst du alle Systemdienste und weißt, was sie tun – zumindest bei fast allen. Welche du aktivierst und welche nicht, hängt stark von deinen ganz persönlichen Nutzungsgewohnheiten und Vorlieben ab.
Meine Einstellungen passen deshalb absolut nicht für jeden einzelnen iPhone-Nutzer. Aber vielleicht haben dir die zusätzlichen Infos ja dabei geholfen zu entscheiden, welche Systemdienste du in Zukunft eingeschaltet lässt und auf welche du zugunsten längerer Akkulaufzeit lieber verzichtest.
Du möchtest noch mehr über das Schonen deines iPhone-Akkus erfahren? Dann habe ich eine Beitragsempfehlung für dich. In diesem Beitrag erfährst du, wie gut die neue Funktion “80% Lade-Limit” den Akku meines iPhone 15 Pro vor Verschleiß geschützt hat.



