Heute zeige ich dir 11 iPhone Privatsphäre Einstellungen, die du überprüfen solltest, um zu verhindern, dass du unnötig stark getrackt wirst und um sicherzustellen, dass du die Kontrolle über deine Daten und Medien behältst. Damit ersparst du dir nicht nur aufdringliche Werbung. Du reduzierst auch dein Risiko, von Kriminellen ins Visier genommen zu werden und deine Daten geklaut zu bekommen.
Dies ist das begleitende Video-Skript zu diesem Video:

1. Tracking ablehnen und Privatsphäre schützen
Beginnen wir mit dem Thema App-Tracking. Die meisten Apps auf deinem iPhone verfolgen deine Aktivitäten auf die eine oder andere Art und Weise. Unter Datenschutz & Sicherheit und dann Tracking kannst du zumindest das Tracking von Apps über andere Apps und Websites einschränken.



Dazu musst du oben nur den Regler bei Apps erlauben, Tracking anzufordern deaktivieren.

Das schließt nun nicht jegliche Form von Tracking aus, aber es verhindert, dass die App-Betreiber deine Nutzungsdaten aus der betreffenden App mit deinem Surfverhalten oder der Nutzung anderer Apps kombinieren und dadurch noch wesentlich mehr über dein Nutzungsverhalten erfahren.
Im Kleingedruckten weist Apple außerdem darauf hin, dass diese kombinierten Informationen von den App-Anbietern auch an Datenhändlerplattformen weitergegeben werden können, um die erhaltenen Daten zusätzlich mit öffentlich verfügbaren Daten von dir zu verknüpfen. Daher meine klare Empfehlung, diesen Regler auszuschalten.

2. Analysedaten zum Schutz der Privatsphäre nicht teilen
Als nächstes verhindern wir, dass Apple und andere Entwicklungsteams mehr Daten von dir sammeln als nötig. Denn die Analysedaten verbleiben nicht einfach nur bei Apple, wie man vielleicht annehmen könnte. Denn, Achtung: “Damit Partner von Apple und Drittentwicklungsteams ihre Apps, Produkte und Dienste für Apple-Produkte verbessern können, kann Apple diesen Partnern […] einen Teil der Analysedaten bereitstellen.“ Und zu den gesammelten Daten zählen unter anderem deine Standortdaten.

Wenn du das nicht möchtest, gehe von Tracking einen Schritt zurück und dann unten zu Analyse & Verbesserungen. Schalte hier alle Regler aus.


Einziger Wermutstropfen – ohne die geteilte iPhone-Analyse ganz oben kannst du leider auch nicht den tatsächlichen Akkuzustand deines Geräts erfassen – aber du kannst die Analyse zu diesem Zweck auch nur für einen Tag anschalten und dann wieder deaktivieren, so mache ich das jedenfalls.
Und noch einen Vorteil hat das Abschalten, denn du schonst du damit auch die Batterie in deinem iPhone.
3. Personalisierte Werbung
Personalisierte, also genau auf dich zugeschnittene Werbung in Apple-eigenen Apps wie dem App Store, Apple News, in der Aktien-App oder der Apple TV-App kannst du ebenfalls abschalten. Gehe dazu zurück zu Datenschutz & Sicherheit und hier in Apple-Werbung.


Deaktiviere nun den Regler bei Personalisierte Werbung.

So wirst du weniger gezielte Werbung basierend auf deinen Nutzungsdaten sehen. Das heißt nicht unbedingt, dass du weniger Werbung zu sehen bekommst, aber sie wird generischer sein – oder wie apple es formuliert: weniger relevant.
4. Tracking in der Mail-App deaktivieren zum Schutz der Privatsphäre
Auch in der Mail-App findet jede Menge Tracking deines Verhaltens statt – insbesondere in Newslettern wie diesem hier:

Praktisch alle kommerziellen Newsletter-Dienste fügen ihren Mails winzige, unsichtbare Zählpixel ein, um zu sehen, wann und wie oft du die Mails öffnest – und von welcher IP-Adresse aus du sie öffnest.
Bei meinem früheren Job bei Electronic Arts hatte ich mit diesem Thema häufiger zu tun und es war in der Tat erstaunlich, wie genau wir damals auslesen konnten, welche Themen oder welche Bereiche eines Newsletters für die Empfänger besonders interessant waren.
Als Mail App-Nutzer kannst du dafür sorgen, dass dein Newsletter-Leseverhalten deutlich weniger transparent ist, mit nur einem einzigen Regler. Dazu gehst du in die Einstellungen von Mail, dort unter Nachrichten zu Datenschutz.


Hier stellst du sicher, dass „Mail-Aktivität schützen“ eingeschaltet ist.

Damit öffnet Apple jeden Newsletter automatisch im Hintergrund, sodass der Betreiber nicht mehr messen kann, ob du ihn tatsächlich geöffnet hast oder nicht.
Deine IP-Adresse wird vor den Newsletterbetreibern so ebenfalls verborgen, sie können also nicht vom Newsletter alleine auf deinen Standort schließen.
5. Metadaten in Fotos
Wusstest du, dass du beim Verschicken eines Fotos auch jede Menge andere Daten weitergibst? Diese Daten werden Metadaten genannt und dazu gehören Informationen, wie welche Linse und welche Kameraeinstellung verwendet wurde, aber auch der genaue Aufnahmeort samt seiner Koordinaten.

Die meisten dieser Metadaten sind harmlos für den Normalnutzer. Der Aufnahmeort allerdings kann ein Sicherheitsrisiko darstellen. Stell dir vor, du schickst ein Foto, das du Zuhause aufgenommen hast, einer fremden Person und diese Person nutzt die erhaltenen Standortdaten, um dir einen unangemeldeten Besuch abzustatten. Um das zu verhindern, musst du die Standortdaten aus dem Foto entfernen.
Öffne dafür die Fotos-App, tippe oben rechts auf Auswählen und wähle die Bilder aus, von denen du die Standortinformationen löschen möchtest.


Tippe dann die drei Punkte unten rechts an und wähle Ort anpassen > Kein Standort (oder gib einen anderen Ort an).



Der Nachteil: dein iPhone kann nun den Standort ebenfalls nicht mehr nutzen, um dir Erinnerungen zusammenzustellen bzw. deine Fotos auf der Weltkarte korrekt anzuzeigen. Wie bei diesem Foto, bei dem ich den Standort von Köln nach Timbuktu verschoben habe:

Daher ist es schlauer, wenn du die Standortdaten einfach nur beim Versenden von Fotos entfernst. Und das geht ganz leicht, du wählst einfach das Foto aus, tippst auf Teilen…

und dann siehst du oben schon, das Foto enthält den Standort und würde diesen nun mitsenden:

Wenn du aber auf Optionen tipps und hier Standort ausschaltest und auf Fertig gehst, dann wird der Standort nicht eingeschlossen.




So behältst du die Standortdaten für deine eigene Nutzung, gibst sie aber nicht ungewollt an andere weiter.
6. Foto- und Kamerazugriff durch Apps
Als nächstes schauen wir uns den Foto- und Kamerazugriff durch einzelne Apps an. Wenn du erstmals eine App öffnest, die Zugriff auf deine Fotos oder Kamera haben möchte, wirst du immer danach gefragt:

In der Regel hast du die Optionen, der App vollen Zugriff auf alle Fotos und Videos in der Mediathek gewähren, den Zugriff komplett zu verweigern oder du begrenzt den Zugriff auf bestimmte Inhalte.

Überlege dir gut, wie viel Vertrauen du in die App setzen möchtest. Gewährst du unbeschränkten Zugriff, könnte die App theoretisch deine komplette Mediathek im Hintergrund auslesen und die Daten darin nutzen.
Bei TikTok liest sich das z.B. so: „Wir erheben Nutzerinhalte durch Vorabladen zum Zeitpunkt der Erstellung, des Imports oder des Hochladens, unabhängig davon, ob Sie diese Nutzerinhalte speichern oder hochladen.“ Nutzerinhalte erheben durch Vorabladen – Tiktok lädt also schonmal Inhalte aus deinem iPhone hoch, auf die es Zugriff hat.

Aber auch Instagram räumt sich Rechte an den Medien ein, die du für die App freigibst: “Wir teilen von uns erhobene Informationen weltweit, sowohl intern zwischen unseren Niederlassungen und Rechenzentren als auch extern mit unseren Partnern, Dritten und Dienstleistern.”
Und das gilt für:: “Inhalte, die du über unsere Kamerafunktion oder deine Einstellungen für Aufnahmen […] bereitstellst.”.

Du solltest also genau überprüfen, welcher App du welchen Zugriff gestattest. Für Fotos und Videos kannst du das ganz einfach für alle Apps einzeln einstellen, indem du in Datenschutz & Sicherheit zu Fotos wechselst.


Hier siehst du die Zugriffsberechtigung, die jede App auf deine Medien hat.


Auch für die Freigabe deiner Kontakte gibt es hier einen Eintrag.

Zugriff auf Kontakt bedeutet: Alle Informationen, die du in deinen Kontakten gespeichert hast werden der jeweiligen App zur Verfügung gestellt. Leider gibt es hier, anders als bei Fotos, keine Abstufung.

7. Schutz der Daten bei iPhone-Diebstahl
Beim nächsten Tipp geht es um den Schutz deiner Daten bei iPhone-Diebstahl. Stell dir vor, dein iPhone wird geklaut – und der Dieb kennt deinen Entsperrcode. Unter Face ID & Code > Schutz für gestohlene Geräte kannst du die biometrische Überprüfung für wichtige Aktionen wie die Änderung deines Apple ID Passworts erzwingen.


Aktiviere die Option Schutz für gestohlene Geräte.

Wähle unter Sicherheitsverzögerung erforderlich die Einstellung Immer.

Nun können erst nach Ablauf einer einstündigen Sperrfrist kritische Sicherheitseinstellung am Gerät selbst vorgenommen werden, auch an vertrauten Orten. Während diese Sperrfrist läuft, kannst du dein geklautes iPhone von unterwegs aus bei iCloud.com sperren.
8. Kontaktschlüssel-Verifizierung
Für Personen mit einem besonders hohen Sicherheitsbedarf, etwa Journalisten in Ländern mit autoritären Regimen, oder auch Prominente, gibt es die Kontaktschlüssel-Verifizierung für die Nachrichten-App und iMessage. iMessage Nachrichten sind schon Ende-zu-Ende verschlüsselt, d.h. auf dem Übertragungsweg kann niemand den Inhalt einsehen.
Mit der Kontaktschlüsselbestätigung wird nun sichergestellt, dass du auch tatsächlich mit der Person kommunizierst, die sie angibt zu sein – denn Telefonnummern lassen sich fälschen. Aktivierst du die Funktion, erhältst du einen einzigartigen Code, den du an Kontakte weitergeben kannst. Somit wissen beide Seiten, dass sie mit der Person kommunizieren, mit der sie kommunizieren wollen
Die Funktion findest du in den Apple ID Einstellungen ganz unten. Sie sollte allerdings nur genutzt werden, wenn du wirklich diesen besonderen Sicherheitsbedarf hast, denn sie macht den Nachrichtenaustausch auch komplizierter.




9. Ortungsdienste
Kommen wir zu einem der Klassiker unter den Privatsphäre-Einstellungen, den Ortungsdiensten. Rufe sie über Datenschutz & Sicherheit und dann Ortungsdienste auf.


Hier siehst du, welche Apps wann auf deinen Standort zugreifen dürfen.

Inzwischen gibt es meistens nur noch die Optionen: Nächstes Mal fragen, nur beim Verwenden der App oder Nie.

Vereinzelt gibt es aber auch noch die Option Immer.

Apps mit der Erlaubnis Immer können deinen Aufenthaltsort jederzeit an ihre Server übertragen, selbst wenn du die App gar nicht benutzt. Das ist eine massive Verletzung deiner Privatsphäre, daher solltest du Apps maximal auf Beim Verwenden stellen – sofern es einen guten Grund für die App gibt, deinen Ort zu kennen, und wenn nicht, dann auf Nie.
Seit einigen Jahren weist dich dein iPhone sogar selbstständig darauf hin, wenn eine App für längere Zeit konstant deinen Standort mitschneidet, das ist eine sehr gute Hilfestellung.

10. iPhone Privatsphäre Einstellungen: Systemdienste
Scrolle als nächstes bei ganz nach unten zu den Systemdiensten.

Hier ist es ratsam, alle nicht notwendigen Dienste zu deaktivieren.

Welche das genau sind, hängt von deiner persönlichen Nutzung ab. Es kann vorkommen, dass einzelne Systemdienste nach einem iOS-Update wieder aktiviert werden, daher lohnt es sich, regelmäßig hier nachzusehen.
11. Sicherheitsrisiko Passwörter
Weiter geht es mit einer Sicherheitsüberprüfung deiner Passwörter. Öffne die Passwort-Einstellungen und tippe auf Sicherheitsempfehlungen.


Vergewissere dich, dass die Option Kompromittierte Passwörter erkennen aktiviert ist. Hier siehst du alle Konten, deren Passwörter du aufgrund von Datenlecks bei anderen Unternehmen besser ändern solltest.

Nimm dir die Zeit und ändere die Passwörter der hier genannten Konten. Eine gute Erinnerung daran, unterschiedliche Passwörter für alle deine Online-Konten zu verwenden und diese regelmäßig zu aktualisieren bzw. hier nachzusehen! Falls du einen anderen Passwort-Manager als die iCloud keychain verwendest, solltest du dort prüfen, ob es eine ähnliche Warnfunktion gibt.
Nun kennst du die wichtigsten Tipps für mehr Privatsphäre und weniger Überwachung auf deinem iPhone.
Welche davon hast du bisher noch nicht angewandt? Lass es mich in den Kommentaren wissen!
Neben “normalem” Werbetracking gibt es aber auch die Möglichkeit, dass jemand dir eine Überwachungssoftware auf das iPhone aufgespielt hat. Wie du das erkennst und was du dagegen tun kannst, erfährst du in diesem Video.



