iOS 17.4: Sideloading, Siri, Podcast-Transkripte und neue Emojis  

iOS 17.4: Sideloading, Siri, Podcast-Transkripte und neue Emojis

Dieser Beitrag ist schon etwas älter. Einzelne Schritte können heute anders aussehen, weil Apple mit jedem Update Menüs und Bezeichnungen ändert.

Mit dem kommenden iOS 17.4 Update werden sich die Spielregeln auf dem iPhone komplett ändern: Erstmals werden iPhone-Nutzer ganz ohne Jailbreak oder andere Manipulationen in der Lage sein, Apps von anderen App-Marktplätzen als dem App Store zu laden und zu installieren (Fachbegriff: Sideloading). Und das ist nur eine von vielen Neuheiten, die mit diesem Update kommen.

Dies ist das begleitende Skript zu diesem Video

Titelbild zum Video über iOS 17.4

Wann erscheint iOS 17.4?

Zuerst ein paar Eckdaten zu iOS 17.4.: Dieses Update ist seit dem 25. Januar als Entwickler-Beta verfügbar und seit dem 30. Januar als öffentliche Beta, aus der auch die Aufnahmen in diesem Beitrag stammen.

Anders als sonst bei Apple üblich, weiß man schon sehr genau, wann iOS 17.4 für alle erscheinen wird, nämlich Anfang März, auf jeden Fall vor dem 7. März. Das weiß man deshalb, weil an diesem Tag in der EU das Gesetz über digitale Märkte, kurz DMA, greift. Apple würde, wenn es die Anpassungen nicht vorher vornähme, gegen die neuen Regeln verstoßen und empfindlich hohe Strafen riskieren:

Strafen bei Verstoß gegen DMA
Geldbußen von bis zu 10 % des weltweiten Gesamtumsatzes des Unternehmens bzw. bis zu 20 % bei wiederholter Zuwiderhandlung und Zwangsgelder von bis zu 5 % des durchschnittlichen Tagesumsatzes (https://commission.europa.eu/)

Widerwillige Öffnung der App-Marktplätze

Vieles in diesem Update macht Apple also nicht freiwillig, sondern auf politischen Druck der Europäischen Union. Und das merkt man: Apple hat zusammen mit der Veröffentlichung der iOS 17.4 Beta auch bekannt gegeben, auf welche Art und Weise es DMA-konform werden möchte. Und das hat es in sich, denn so hatten sich das die EU-Politiker vermutlich nicht vorgestellt und nicht wenige Beobachter sagen voraus, dass die Angelegenheit noch vor Gericht landet.

Änderung beim Schutz für gestohlene Geräte

Bevor wir in diese großen Veränderungen einsteigen, zunächst einige kleine, aber auch nicht unwichtige Änderungen. In meinem Beitrag zum neuen Schutz für gestohlene Geräte, der mit iOS 17.3 eingeführt wurde, habe ich schon auf einen potenziellen Schwachpunkt hingewiesen, wenn man sich an vertrauenswürdigen Orten befindet.

Aktuell ist es noch so, dass die einstündige Sicherheitsverzögerung, die bei besonders sicherheitsrelevanten Aktionen wie z.B. dem Ändern des Apple-ID-Passworts normalerweise einsetzt, wegfällt, wenn man sich an einem vertrauenswürdigen Ort befindet, z.B. Zuhause oder am Arbeitsplatz.

Wichtig: Der Schutz durch eine Face ID oder Touch ID-Abfrage besteht dann immer noch, man steht also nicht ohne Schutz da. Dennoch verkürzt sich so die Zeit, die einem bleibt, um das iPhone als gestohlen zu markieren.

Mit iOS 17.4 bekommt der Schutz für gestohlene Geräte ein eigenes Untermenü (iPhone Einstellungen –> Face ID & Code (bzw. Touch ID & Code bei iPhone SE) –> Schutz für gestohlene Geräte)

In diesem Menü kannst du zum einen den Schutz komplett an- und ausschalten, du kannst nun aber auch genau festlegen, ob die einstündige Sicherheitsverzögerung an vertrauenswürdigen Orten ausgesetzt werden soll oder nicht, also ob sie stattdessen überall gelten soll.

Falls du dir also Sorgen machst, dass das iPhone am Arbeitsplatz geklaut werden könnte und dieser Schutz dann weniger wirksam ist als eigentlich vorgesehen, kannst du hier nun einfach “Immer” auswählen und die zeitliche Sperre wird nicht mehr umgangen.

Apple Podcasts jetzt mit automatischer Transkription

Eine weitere Veränderung gibt es bei Apple Podcasts, hier kannst du dir nun ein Transkript des gesprochenen Inhalts anzeigen lassen. Erfreulicherweise geht das nicht wie sonst bei neuen Funktionen zunächst nur auf Englisch, sondern direkt auch auf Deutsch, Französisch und Spanisch.

Zum Anzeigen des Transkripts musst du nur eine Podcast-Folge aufrufen und unten auf die Sprechblase tippen. Schon erscheint das gesamte Transkript der Folge und das sogar praktisch fehlerfrei, auch Ähs und Versprecher sind gleich entfernt.

Das Beste daran: Du kannst das Transkript zum Navigieren innerhalb der Folge verwenden. Tippe einfach auf einen nachfolgenden Abschnitt, wenn dich der aktuelle Abschnitt nicht interessiert.

Bisher musste man bei Podcasts entweder auf gut Glück vorspulen und die richtige Stelle finden oder darauf setzen, dass es viele und gut erklärende Kapitelmarken gibt, jetzt sieht man anhand des Transkripts sofort, wo ein Thema beendet wird und ein neues beginnt und kann bei Bedarf direkt dorthin springen.

Damit sind die Transkripte nicht nur eine große Unterstützung für Hörgeschädigte, sie verbessern die Navigation durch Podcast-Episoden für die gesamte Nutzerschaft.

Siri reagiert auch ohne „Hey“

Ein kleines Update gibt es für Siri: Englischsprachige Nutzer mussten schon länger nicht mehr “Hey Siri” sagen, um den KI-Helfer zu aktivieren, es genügt ein einfaches „Siri„.

Nun gilt das auch für deutsche Nutzer: gehe in den Einstellungen zu Siri & Suchen und wähle bei “Achten auf” einfach die erste Option namens „‚Siri‘ oder ‚Hey Siri'“.

Stoppuhr als Live-Aktivität

Alle iPhones mit Dynamic Island (iPhone 14 Pro und alle iPhone 15-Modelle) bekommen die Stoppuhr jetzt auch als Live-Aktivität angezeigt, d.h. wenn eine Stoppuhr auf deinem iPhone läuft, bekommst du diese auch im Sperrzustand angezeigt. Das gab es bisher nur für den Timer.

In meinem Test mit der neuen Funktion lief die Stoppuhr allerdings nur solange, wie der (Sperr-)Bildschirm erleuchtet war. Sobald sich das Bild abdunkelt, friert der Zähler ein – auch wenn die Stoppuhr im iPhone natürlich weiterläuft.

Durch Tippen auf den Bildschirm „erwacht“ mit der Beleuchtung auch der Zähler wieder und zeigt die laufende Stoppuhr. Dann kannst du sie auch aus dem Sperrbildschirm heraus pausieren oder zurücksetzen und neu starten.

Sideloading auf dem iPhone

Nach diesem kleineren Funktionsupdates jetzt zu den großen Veränderungen: Die wichtigste ist, dass sich Apple nun, wie erwähnt auf Druck der EU, gegenüber so genannten “alternativen App Marktplätzen” öffnet. Damit wird es iPhone-Nutzern in den Ländern der EU – und nur dort – ermöglicht, App Stores von anderen Anbietern herunterzuladen – und darüber dann deren Apps.

Apple hat sich – offiziell aus Sicherheitsgründen – jahrelang geweigert, ein solches Sideloading zuzulassen. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass das Verbot von Sideloading für Apple extrem lukrativ war, da es alle App-Anbieter dazu gezwungen hat, über Apples App Store zu veröffentlichen. Und Apple lässt sich das bis heute mit einer satten Umsatzbeteiligung von bis zu 30% bezahlen.

Wie kommen die fremden App Stores nun auf das iPhone? Erst nach einer so genannten Beglaubigung durch Apple. Zunächst müssen die Anbieter eine Bürgschaft über mindestens einer Mio. Euro von einem Kreditunternehmen mit einem A-Rating nachweisen. Damit sind viele Independent-Entwickler direkt aus dem Rennen.

Dann wird die Store-Software daraufhin geprüft, ob sie Nutzer transparent über die Betreiber, Leistungen und Kosten informiert, ob sie frei von schweren Fehlern ist, kompatibel mit der aktuellen iOS-Version und dass sie anderer Software und der iPhone-Hardware keinen Schaden zufügt. Außerdem wird die Software daraufhin überprüft, dass keine sensiblen Daten von Nutzern gesammelt werden, ohne die Nutzer darüber klar zu informieren.

Meistern die alternativen App-Marktplätze diese Hürden, können sie von Nutzern auf dem iPhone installiert werden und in diesen Marktplätzen wirst du dann auch Apps finden können, die nicht den strengen inhaltlichen Vorgaben von Apples App Store entsprechen.

In seiner Pressemitteilung wird Apple nicht müde zu betonen, dass trotz all dieser Maßnahmen nicht garantiert werden kann, dass dort keine Apps mit betrügerischen Absichten veröffentlicht werden. Man spürt im gesamten Text den Widerwillen, mit dem Apple sich den Vorgaben der EU fügt. Und der macht sich auch in der konkreten Ausgestaltung bemerkbar.

Apple macht Sideloading absichtlich unattraktiv

Wenn Apple sein Vorhaben tatsächlich so umsetzen kann, wie nun geplant, wird es nicht wirklich viele alternative App Stores geben, denn – und hierfür müssen wir einen kurzen Abstecher in die Business-Vorgänge hinter den Apps machen – Apple sorgt neben der Kreditwürdigkeitsprüfung und der aufwändigen Beglaubigung auch mit einem neuen Gebührenmodell dafür, dass das nur für sehr wenige Unternehmen finanziell überhaupt darstellbar ist.

Dieses neue Gebührenmodell ist optional für alle, die weiter nur auf dem App Store veröffentlichen, aber zwingend für die, die über einen alternativen App-Markplatz veröffentlichen möchten.

Mit dem neuen Modell sinkt die Umsatzbeteiligung im App Store zwar auf maximal 17% (plus 3%, wenn auch Apple Zahlungsdienst verwendet wird) und für das Veröffentlichen über alternative Marktplätze nimmt Apple logischerweise keine Umsatzbeteiligung, aber dafür wird eine neue Gebühr eingeführt, die so genannte Core Technology Fee.

Diese beträgt 50 Cent und wird jedes Jahr aufs neue ab einer Schwelle von 1 Mio. Installationen für jede weitere Erstinstallation fällig – egal von welchem App-Marktplatz die Apps geladen werden. Bei einer erfolgreichen kostenlosen App, auf die die Anbieter beim alten Gebührenmodell überhaupt keine Abgaben zahlen (Beispiel WhatsApp oder Spotify), könnten die Gebühren im neuen Modell schnell sehr hohe Summen erreichen.

Eine App mit 2 Mio. Installationen in der EU käme z.B. auf 45.000 Dollar Gebühren – pro Monat.

Angesichts dieser Szenarien werden die meisten Anbieter ihre Apps wohl lieber weiterhin über Apples App Store und das alte Bezahlmodell veröffentlichen – und genau das ist die kaum verhohlene Absicht von Apple.

Wenig überraschend wurde das neue Gebührenmodell von einigen Firmen-CEOs, die auf die alternativen Marktplätze gehofft haben, wahlweise als hot garbage (Tim Sweeney, Epic) oder als Erpressung (Daniel Ek, Spotify) bezeichnet. Diese Angelegenheit wird sicher noch spannend werden.

Neue Zahlungsdienste per NFC

Neben dem Sideloading kommen noch weitere Veränderungen mit iOS 17.4 auf uns zu. In der EU wird es zukünftig möglich sein, für Zahlungen mittels NFC (Near Field Communication-Technologie, bei der man das Smartphone nur in die Nähe eines Zahlungsterminals halten muss) auch andere Bezahldienste einzusetzen als nur Apple Pay. Hier können die Nutzer in Zukunft entscheiden, welcher Bezahldienst auf dem iPhone voreingestellt sein soll.

Hinweis auf andere Browser als Safari

Das gilt auch für die Webbrowser auf dem iPhone. Wenn du unter iOS 17.4 zum ersten Mal den Standardbrowser Safari aufrufst, wird dir angeboten, einen anderen Browser als Standardbrowser zu wählen. Das konnte man auch schon bisher tun, neu ist hier lediglich, dass der Hinweis darauf in Safari selbst erscheint. Es geht also seitens der EU nur darum, Nutzern aktiv bewusst zu machen, dass es Alternativen zu Safari gibt.

Falls du einmal einen anderen Browser zum Standardbrowser machen möchtest, wählst du in den iPhone-Einstellungen die entsprechende Browser-App aus, z.B. Firefox, gehst dann in dem Menü auf „Standard-Browser-App“ und wählst diese dafür aus.

Neue Emojis für dein iPhone

Nach all den großen und politisch motivierten Änderungen zum Abschluss noch eine etwas leichtere Neuheit in iOS 17.4, die ale Emojifans erfreuen dürfte:

iOS 17.4 fügt diese 6 neuen Emojis zu deiner Emoji-Tastatur hinzu:

Sowie vier neue Familien-Emojis – wobei letztere aufgrund einer neuen, sehr neutralen Darstellung kaum von den bisher vorhandenen zu unterscheiden sind.

Außerdem gibt es zahlreiche neue Variationen bestehender Emojis, z.B. bei deren Blickrichtung oder Hautfarbe.

Welches neue Emoji ist dein Favorit? Schreib es mir in die Kommentare, aber schreib mir vor allem, was du über die neuen Möglichkeiten mit Sideloading und Co. denkst, die im März auf uns zukommen. Glaubst du, dass dadurch das Angebot insgesamt besser wird, weil Konkurrenz das Geschäft belebt, oder hast du Bedenken, dass dadurch Apps mit betrügerischen Absichten auf dein iPhone kommen könnten, weil Apple nicht mehr die volle Kontrolle hat?

Kennst du schon alle neuen Funktionen der Erinnerungen-App? Das ist in meiner Familie seit iOS 17 die Standard-App für Einkaufslisten geworden und hat viele weitere interessante neue Funktionen.

Bild von David Neumann

David Neumann

Technik soll Menschen verbinden, nicht überfordern. Deshalb lernst du bei mir, wie du das volle Potenzial deiner Apple-Geräte ausschöpfst.

Meine Angebote

Weitere Beiträge

Inhaltsverzeichnis

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Lieber aktuelle Tipps?

Als Mitglied bekommst du regelmäßig neue Anleitungen für iPhone, iPad und andere Apple-Geräte.

Wonach suchst du?